1. Einleitung
Der Einkauf von Waren und die Nutzung von Dienstleistungen erzeugen Verkehr. Es sind die gewöhnlichen Alltagsaktivitäten der Stadtbewohner - Einkaufen, zum Zahnarzt gehen oder die Schule besuchen - die Verkehr hervorrufen –Ihre Stadt, wie auch viele andere Städte heutzutage, erfährt hierdurch eine Vielzahl an Herausforderungen: Verkehrsstaus, Lärm, Luftqualität, Gesundheit, Sicherheit, Lebensqualität und die Probleme mit einer Vielzahl von unterschiedlichen politischen Strategien im Bereich des städtischen Verkehrs. Global gesehen sind die Herausforderungen des Klimawandels und die damit verbundenen Konsequenzen für Umwelt, Gesundheit und Ökonomie eng mit dem Verkehr und nicht nachhaltigem Mobilitätsverhalten verknüpft.
Diese Herausforderungen sind die treibende Kraft hinter dem Ruf nach neuen Maßnahmen im lokalen Verkehr. Städtische Mobilität ist ein komplexes Thema und kann nicht durch einfache Verkehrspläne erfolgreich gelöst werden. Sie erfordert grundlegend neue politische Instrumente zusammen mit einem integrierten Ansatz zur Mobilität und dem Design unserer Städte. Pläne für einen nachhaltigen städtischen Verkehr (SUTP ) wurden als Grundlage für einen neuen Ansatz im städtischen Verkehr ausdrücklich von der Europäischen Union empfohlen. Das umfasst grundlegend neue Strategien und Förderung einer notwendigen Integration der Verkehrs-, Stadt- und Wirtschaftsplanung.
Die Vorbereitung und Einführung eines Plans für nachhaltigen städtischen Verkehr ist ein Prozess, der nicht selten ein neues Denken, Zusammenarbeit über Abteilungs-/Behördengrenzen hinweg und Integration unterschiedlicher politischer Bereiche erfordert. Umfassend neue Werkzeuge zusammen mit einer Anleitung für ihren Einsatz sind notwendig, um den Städten zu helfen, den SUTP-Prozess zu verstehen und umzusetzen. Dieses SUTP-Handbuch ‘Nachhaltige Mobilität’ basiert auf dem Ostseeregion INTERREG III B –Projekt BUSTRIP (Baltic Urban Sustainable Transport Implementation and Planning). BUSTRIP unterstützte zwölf nordeuropäische Städte bei ihren wegweisenden Anstrengungen, die ersten Städte in Europa zu sein, die einen SUTP vorbereiten und umsetzen. Zweck dieses Handbuchs ist die Bereitstellung von „Werkzeugen“ und Anleitungen für Verkehrs- und Stadtplaner sowie Entscheider, ein nachhaltiges Stadtverkehrssystem zu planen und umzusetzen.
Ein Plan für einen nachhaltigen städtischen Verkehr hat zwei grundlegende Komponenten:
Planung eines nachhaltigen städtischen Verkehrs
Der Vorbereitungsprozess eines SUTP-Plans – die SUT-Planungsphase – erfordert eine kontinuierliche und effektive Zusammenarbeit auf lokaler und regionaler Ebene. Diese gemeinsamen Anstrengungen zwischen Behörden, Agenturen und Stakeholdern müssen eine Vision, Zusammenarbeit, Engagement, Abschätzung politischer und finanzieller Optionen sowie eine Überprüfung umgesetzter Programme und Mechanismen umfassen. Der Prozess der SUT-Planung ist mindestens genauso wichtig wie der ausgeführte SUT-Plan.
Der Vorbereitungsprozess des Plans sollte sorgfältig durchdacht und in Übereinstimmung mit allen Stakeholdern erfolgen. Personal- und Finanzressourcen sind für das Management des Planungsprozesses erforderlich. Möglicherweise werden neue institutionelle, organisatorische und Kommunikationsstrukturen notwendig. Existierende Regelungen sollten mit den Stakeholdern überprüft werden, wenn über neue Regelungen verhandelt wird. Ein wichtiges SUT-Planungselement ist der freie Austausch an Information, Wissen und Ansichten. Diese Vorbereitungen und die stützenden Ressourcen sollen den offenen und transparenten Prozess der SUT-Planung fördern.
Plan für einen nachhaltigen städtischen Verkehr
Der SUT-Plan ist ein Werkzeug, um dem Bedarf an Mobilität und Verkehr von Menschen und Gütern in städtischen Regionen auf nachhaltigerer Weise zu begegnen. Er bezieht sich in seiner Gesamtheit auf den öffentlichen und privaten, motorisierten und nicht motorisierten Verkehr, auf bewegte und parkende Fahrzeuge wie auch Frachtverkehr und Logistik. Diese Transportkategorien werden integriert behandelt. Der SUT-Plan soll für alle die Planung betreffenden Sektoren, die den Verkehr oder durch ihn beeinflusst werden, zu einem leitenden Dokument werden. Er soll unter der Prämisse der Nachhaltigkeit eine gemeinsame Sicht über die Verkehrsentwicklung in der Stadt wiedergeben und eine Strategie zur Zielerreichung bereitstellen.
Kurz gesagt ,der SUT-Plan ist ein von der Stadt entwickeltes Arbeitsdokument, um die Herausforderung eines nachhaltigen städtischen Verkehrssystems anzugehen.
Prozessablauf
Die Veränderung städtischer Mobilität und der Stadtplanungspraxis in eine nachhaltige Praxis ist ein langer Prozess. Unsere nicht nachhaltigen Verkehrs- und Infrastrukturen entwickelten sich über Jahrzehnte. Unsere Infrastruktur, unsere Städte und Erwartungen hinsichtlich Mobilität und Verkehr können nicht über Nacht verändert werden. Der Ausgangspunkt ist für jede Stadt anders: die politische Situation, nationale und regionale Besonderheiten und zur Verfügung stehende Ressourcen variieren. Deshalb muss jede Stadt ihre eigene praktikable Lösung für den SUTP-Prozess finden.
Die Abbildung auf Seite 6veranschaulicht den allgemeinen Prozess des SUTP. Der äußere Kreis und der Pfeil auf der rechten Seite verdeutlichen den Planungsteil eines nachhaltigen städtischen Verkehrssystems. Der innere Kreis zeigt den eigentlichen Plan für ein nachhaltiges städtisches Verkehrssystem. Das Modell illustriert den Bedarf für regelmäßige Updates und Feedback über den Fortschritt des Plans an die Organisation. Politikkoordination, Zusammenarbeit der Stakeholder, Gleichberechtigung der Geschlechter sowie Kompetenzaufbau geben kontinuierlich Auskunft über Entwicklung und Implementierung des Plans für einen nachhaltigen städtischen Nahverkehr.
Erfahrungen der Städte als Grundlage für das Handbuch
Das Konzept für SUTP, das diesem Handbuch zugrunde liegt, ist auf kleine und mittelgroße Städte zugeschnitten. Diese Städte unternehmen die ersten Schritte im Prozess zur Verbesserung des städtischen Verkehrs – durch mehr Nachhaltigkeit, Kooperation und Integration. Das Handbuch kann auch von Städten eingesetzt werden, die schon über Elemente eines SUTP verfügen, dass aber weiter integriert, verbessert und ausgebaut werden soll. Mit ‘Städten’ beziehen wir uns im Handbuch auf Kommunalbehörden aller Größen.
Das Handbuch basiert auf Erkenntnissen, Erfahrungen und bewährter Praxis der BUSTRIP-Partnerstädte. Die Erfahrung zeigt, dass der SUTP-Prozess auf bestehende Stärken und Möglichkeiten einer Stadt beruhen muss. Vor allem Integration ist der Schlüssel zu SUTP. Die Integration verschiedener Politikbereiche kann zu vorteilhaften Auswirkungen auf die Umwelt führen: beispielsweise verringerte Emissionen und geringeres Lärmniveau. Sie kann auch Verbesserungen der individuellen Gesundheit und nachhaltigere Lebensstile fördern.
SUTP erfordert die Einbeziehung von Stakeholdern außerhalb der Stadtverwaltung, wie z.B. Nichtregierungsorganisationen, Bürger und Wirtschaftsvertreter. Das erfordert eine enge Kooperation mit nationalen und regionalen Regierungsstellen, um Übereinstimmung mit ihren strategischen Plänen zu gewährleisten. Gleichzeitig muss der Verkehrs und die Mobilität im Gesamtkontext einer städtischen Region berücksichtigt werden, um Fortschritte im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung zu erzielen – denn Mobilität kennt keine administrativen Grenzen. SUTP erfordert einen inklusiven Ansatz, der die Gleichheit aller Individuen und Gruppen und ihr Recht auf Teilnahme an Entscheidungsprozessen anerkennt.
Ein fundamentaler Bestandteil von SUTP ist die ‚Vision einer nachhaltigen Stadt’ als Ausgangspunkt für die SUTP-Arbeit. Diese Vision zeigt, wie langfristige Hoffnungen und Bestrebungen des Plans als Leitlinien für den gesamten Prozess dienen können, wie sie Interesse und Engagement anregen können und wie nützlich sie für das Marketing der Arbeit sein können. Für einen erfolgreichen SUTP ist das Setzen von messbaren und zeitlich begrenzten Zielen unverzichtbar; faktisch ist eine Bewertung des Plans ohne diese Ziele nicht möglich. Die Messung und Überwachung der Auswirkungen der Handlungen ist ein anderer unverzichtbarer Aspekt des Plans.
Benutzereinführung
Die ‘Toolbox Nachhaltige Mobilität’ umfasst ein Handbuch und die Internetseite zur ‚nachhaltigen städtischen Verkehrsplanung’.
Das Handbuch ist in drei Teile geteilt; der erste konzentriert sich auf den Vorbereitungsprozess des SUT-Plans; der zweite bezieht sich auf die effektive Umsetzung und der dritte Teil betrachtet die Maßnahmen, die als Konsequenz aus dem Plan durchgeführt werden sollten. Die Kapitel innerhalb der Hauptteile sind die ‚konkreten’ Schritte im Prozess. Die Phasen sind untereinander verkettet und allen Benutzern wird empfohlen, alle Prozessschritte abzuwägen und zu beurteilen. Für manche örtlichen Behörden ist die Umsetzung von einigen dieser Schritte selbstverständlich und normale Praxis. Das Handbuch kann unterschiedlich eingesetzt werden; entweder als ‚Schritt-für-Schritt’-Handbuch zur Vorbereitung eines SUTP von Grund auf, oder es kann als Grundlage für eine Lückenanalyse zwischen bestehenden Verkehrsplanungsprozessen in der Stadt und dem SUTP dienen.
Jedes Kapitel/jeder Schritt im Prozess beinhaltet einen Warum- und Wie-Abschnitt. Dort findet man eine Begründung und praktische Anleitung für die Arbeit, die mit dem jeweiligen Schritt verbunden ist. Jedes Kapitel schließt mit einer Checkliste ab, die einen Überblick über die wichtigsten Punkte gibt, die bei jedem Schritt im Rahmen des SUTP für die Stadt beachtet werden sollten. Die zwölf Stadt-Fallstudien (innerhalb verschiedener Kapitel) bieten eine Auswahl an praktischen Erfahrungen aus den zwölf BUSTRIP-Projektstädten. Jede Fallstudie konzentriert sich auf andere Schritte im SUTP-Prozess. Die Erfahrungen der BUSTRIP-Städte illustrieren an praktischen Beispielen, wie die unterschiedlichen Schritte im SUTP-Prozess in den verschiedenen Städten durchgeführt wurden.
Viel Spaß auf der Reise durch den Prozess der nachhaltigen städtischen Verkehrsplanung!
